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Reflexion über den Musikunterricht                                                    Muolen, Juni 2003

Von Erich Tiefenthaler                                                                       

 

  1. pro und contra des Lehrerdaseins

das eigenständige Arbeiten, die Recherche nach motivationstauglichen Mitteln, das Aufarbeiten derselben und die Analyse der S., macht das Unterrichten für mich spannend.  Sicher ist es auch sehr interessant, die Entwicklung der S. zu beobachten. Motivieren mich die Fortschritte der S., so ist ein Stillstand, oder gar Rückschritt der S. für mich noch mehr Herausforderung, diese wieder auf die richtige Bahn zu lenken.

Besondere Freude bereiten mir die kleinen Erfolge im Unterricht.

Eine Karriere im herkömmlichen Sinne gibt es an einer Musikschule nicht. So ist die Motivation sicher nicht auf diesem Wege zu suchen.

 

  1. Wandel des Lehrberufes

An den Grundfesten der Tätigkeit hat sich in den letzten Jahrhunderten eigentlich  nichts geändert.  d. h.  es gab immer schon hervorragende Musikpädagogen (Leopold Mozart, J. J. Quantz,….), die die Mittel Ihrer Zeit zu nutzen wussten.  War doch z. B. zu Zeiten W. A. Mozarts ein Menuett höchst populär und sein Vater hat sicher nicht versucht seinen Sohn mit einem gregorianischen Choral zu motivieren…

Um es klar auszudrücken, eine Anpassungsfähigkeit seitens des Lehrers war und ist notwendig, und zwar nicht nur im Stil, sondern auch in den Technologien. Stichworte: Video, Play Along, Schüleraufnahmen, Transkription,…

 

  1. Wie initiativ und motiviert bewältige ich meine Aufgaben als Lehrperson

Wie oben geschrieben, setze ich mein ganzes know how im Unterricht ein, um aus meinen Schülern das Maximum herauszukitzeln. Dieses Wissen ist im ständigen Aufbau. Ich versuche neue Wege auszuprobieren ohne die bewährten zu vergessen.  So habe ich schon früh, also 1990, immer einen Kassettenrekorder mitgeführt, um meinen S. als Hilfestellung ihre Übungen und Stücke aufzunehmen, sodass diese zuhause wirklich fehlerfrei geübt werden konnten.

Ich habe mir dann in meinem Heim ein Tonstudio eingerichtet (Kostenpunkt ca. Fr. 40.000), mit welchem ich in der Lage war bzw. bin, begleit CD´s  - sogenannte Play-along´s zu erstellen, oder zu bearbeiten. Andreas Falkenroth spielt(e) bei Bedarf die Klavierbegleitung ein. Die S. haben so den Luxus jedes Stück wirklich im musikalischen Kontext einzustudieren. Weiters werden die Vorspiele aufgenommen, und die S. erhalten auf Wunsch eine CD ihrer Darbietung. Auch ist eine Transkription eines Pop Hits nicht in Sekundenschnelle zu erledigen.

 

  1. Spannungsfeld Berufsauftrag und Berufsausübung

Dazu will hier ein paar Momente aufzeigen:

 

a)      S. kommt in den Unterricht und hat das Aufgabenheft vergessen, und bzw. die Noten unvollständig dabei.

b)       S. äussert sich ausnahmslos zu allen gebrachten Stücken mit den Bemerkungen:“so ein Scheiss..; gefällt mir nicht.., zu langweilig.., zu schwer…..“

c)      S. äussert sich zu jeder nur kleinsten konstruktiven Arbeit mit Naserümpfen, davonlaufen (läuft kurz im Kreis), oder mit Bemerkungen wie „ist das wichtig, braucht es dass, …“

d)      S. lügt eindeutig   

 

Zu a) es wird die Kontinuität der Arbeit gestört. Als Gegenmassnahme habe ich folgendes eingeführt: ich notiere mir in meiner Unterrichtsmappe die dem S. gegebene Hausarbeit und führe die Noten und CD’s der S. ebenfalls immer mit. Wenn das Vergessen des Arbeitsmaterials zur Regel wird, kontaktiere ich die Eltern.

 

Zu b) ich versuche dem S. das Unterrichtsziel zu erklären und dadurch die Motivation zu steigern.

 

Zu c) dies äussert sich vor allem bei S. in der Adoleszenzphase. Ich versuche dann dem S. das Gefühl des Musikmachens zu geben, indem wir zusammen spielen und dadurch das Lernen durch Imitation fördere.

 

Zu d) dies ist in den letzten Jahren bei meinen S. zum Glück sehr selten vorgekommen. Es deutet auf eine mangelhafte Kommunikation zwischen S. und L. und bzw. oder  eine ungenügende Vertrauensbasis.

 

Der Berufsauftrag ist ja mit dem Lehrplan definiert. Die S. sollten das Rüstzeug zum Musikmachen erhalten. Sie sollten also auch neben dem Instrumentalspiel Harmonielehre, Stilkunde und Formverständnis vermittelt erhalten.

Um den Lehrplan einhalten zu können, würde dies ein permanent motivierten S. voraussetzen und keine Störungen wie in den Punkten a) bis c) aufgelistet, erlauben.

Weiters benötigt es eine Unterrichtsdauer von ca. 8 bis 10 Jahre, um das Rüstzeug zum Musikmachen überhaupt zu erlernen. Danach könnte mit dem Studium begonnen werden, oder wäre eigenständiges Arbeiten möglich.

 

Leider entspricht die Realität im Unterricht seltenst der dieser Vorgabe. Zielgerichtet zu arbeiten ist der Idealfall. Es muss in Zusammenarbeit mit dem S. ständig ein Kompromiss zwischen Präferenzen des S. und des Lernziels gefunden werden, um die notwendige Motivation zu erhalten. Die Betonung liegt auf „ständig“, da ja der S. in der Zeit des Heranwachsens die Arbeitshaltung und die Vorlieben sehr plötzlich ändern kann.

Die Unterrichtsdauer von 8 bis 10 Jahren plant kaum ein S. Hier liegt auch ein Fehler im Musikschulsystem. Eine MS sollte eine Ausbildung bis Ende des ersten Bildungsweges zu gleich bleibendem Tarif anbieten. Doch der Jugendliche-Tarif ist fast doppelt so hoch wie der Kinder-Tarif. Dies führt dazu, dass die MSUR sehr wenige S. ab dem 9. Schuljahr hat, und vor allem die Lehrlinge durch den hohen Preis abgeschreckt werden. Ich habe übrigens schon etlichen S., denen es zu teuer wurde, gratis längeren Unterricht erteilt. 

Wichtig ist auch, dass die Jugendlichen S. von der MS zur Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt werden könnten, da diese dann ja auch in der Lage sind eine solide musikalische Leistung zu erbringen. Eine so verbesserte Reputation der MS würde wahrscheinlich auch neue Geldquellen öffnen.

Auch darf der Motivationseffekt des Vorbilds gegenüber den Anfängern und fortgeschritteneren Anfängern nicht ausser Acht gelassen werden.

 

Der von mir wie oben beschriebene Berufsauftrag und die Zielerfüllung der S. divergieren z. T. erheblich.

 

  1. Wie bringe ich Lob und Kritik ehrlich und verständnisvoll an

Die S. bekommen während den ersten zwei Unterrichtsjahren in jeder Lektion ein Feedback in Form von Smilies. Die  Kinder und ihre Eltern wissen dadurch, wie es um den Fortschritt steht. Im ersten Jahr fordere ich eine Übezeitkontrolle in Form einer Tabelle, in die ich Einblick habe. So kann ich das Talent und die Effektivität des Übens der Anfänger besser beurteilen.

Nach den ersten zwei Jahren gebe ich mein Eindruck über die Übequalität verbal weiter. Diese wird bei ev. falscher Bewertung meinerseits dann diskutiert.

Von den Sekundarschülern erwarte ich ein selbständiges Arbeiten, eine Übezeitkontrolle wird dann nicht mehr so genau geführt. Es wird gegebenenfalls über die Übezeit rückgefragt. In diesem Alter sollte der S. sein Talent selbst einschätzen können.

 

  1. Wie offen und transparent gehe ich mit Schülerinnen und Schülern um

Ich versuche mit den S. so offen wie möglich umzugehen. Natürlich halte ich mich mit destruktiven Feedbacks zurück und versuche den S. Ihre Zeit zu geben. Die Diplomatie ist gefordert.

 

  1. Kommunikation zwischen Schüler/in und Lehrer

Dies ist ein sehr diffiziles Thema. Meine S. durchlaufen während der Ausbildungszeit mehrere Lebensabschnitte. Kindheit – Pubertät – Berufsausbildung – Erwachsen sein. Jeder Abschnitt hat seinen Kodex. Der Wortschatz der S. mutiert. Die Sensibilität und Konfrontationslust der S. kann sich schlagartig ändern. Als Lehrer muss ich permanent meinen „Draht“ zum S. kontrollieren und ggf. anpassen.

Das klassische Gesetz der Kommunikation ist immer einzuhalten. L. ist Sender – S. ist Rezeptor. S. verarbeitet  und ist Sender – L ist Rezeptor. So können Missverständnisse gar nicht erst passieren. Eine deutliche Aussprache ist sehr hilfreich. Das Gespräch mit den S. läuft i. d. R. nur über die Sache. Natürlich werden auch „private“ Gespräche mit den S. geführt, denn diese sind absolut notwendig um den S. näher kennen zu lernen.

 

  1. Mein Unterricht

Selbstverständlich wird jede/r S. mit dem Namen begrüsst und verabschiedet. Es ist mir ein Anliegen, dass sich meine S. im Unterricht wohl fühlen. Wie ich auf die S. wirke kann ich nicht beurteilen, denke aber dass „nett und streng“ schon zutreffen könnte.

Ich versuche immer vorbereitet zu sein. Das Schönste wäre natürlich ein Unterricht bei mir zu Hause, denn da könnte ich meinen S. bezüglich Material optimalen Support bieten.

Ich erwarte von meinen S. ebenfalls vorbereitet in den Unterricht zu kommen. Nur so ist eine Zusammenarbeit auf Dauer möglich.

 

 

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Stand: 07. November 2005